Eigentlich sollten sie bei Reinhold Beckmann über ihr neues Buch sprechen: Doch Helmut Schmidt kippte beim Doppel-Interview mit dem Historiker Fritz Stern lieber Öl ins Feuer um die Debatte über angeblich parasitäre Hartz-IV-Empfänger. Und das bekam vor allem Guido Westerwelle ab. Es gibt einen Mann, der auch mit 91 Jahren noch die nötige Autorität besitzt, um gestandenen Berufspolitikern eine Lektion zu erteilen. Dieser Mann ist ein Phänomen. Er pfeift auf die Etikette. Er redet, ohne sein Gegenüber anzuschauen. Er nebelt jeden Raum gnadenlos mit seinen Mentholkippen ein. Doch nie würde es jemand wagen, ihn zu bitten, den Rauch in eine andere Richtung zu pusten oder seine Zigarette erst gar nicht anzuzünden. Er müsste damit rechnen, dass ihn die Medien wegen Majestätsbeleidigung steinigen. Dieser Mann hat sich schließlich als Bundeskanzler in den 70er-Jahren den Ruf erworben, er könnte das Steuer in letzter Sekunde herumreißen, wenn die „MS Deutschland" mit voller Kraft auf einen Eisberg zusteuert. Kurioserweise hat er seinen Vertrauensbonus nicht im Amt aufgebraucht. Noch heute hat sein Wort mehr Gewicht als das seiner Nachfolger. Sein Name ist Helmut Schmidt. Das sozialdemokratische Urgestein war zu Gast bei Reinhold Beckmann, nicht alleine, sondern zusammen mit einem langjährigen Weggefährten, dem US-amerikanischen Historiker Fritz Stern. Vermutlich wollte Beckmann diese Gelegenheit nutzen, um zu demonstrieren, dass Geschichtsunterricht keineswegs langweilig sein muss
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